Das »Nicht-mehr-Können« oder »Nicht-wirklich-Können« ist mehr als eine Einschränkung der sexuellen Funktionsfähigkeit des Mannes.
Die psychischen Auswirkungen können erheblich sein, wie z.B:
Kontrollverlust, Angst zu versagen und die Partnerin zu enttäuschen, oder »Ich fühle mich nicht mehr wirklich als Mann« beschreiben das Erleben von Männern mit sexuellen Problemen. Manche äußern auch Bedenken, ihre Beziehung zu schädigen, oder befürchten, verurteilt zu werden.
Der Abgrund des «Nicht-ganz-Mann-Seins» ist umso tiefer, je mehr das Selbstwertgefühl Mann über die sexuelle Funktionsfähigkeit definiert wird. Statt Genuss steht das Funktionieren im Vordergrund, begleitet von der Angst, zu versagen.
Ziel der Sexualtherapie ist eine Veränderung der Einstellung zur Sexualität – weg vom »Funktionieren-Müssen«, hin zu einer Sexualität, die beide Qualitäten in sich vereint: das kraftvolle, lustvoll penetrierende Element männlicher Sexualität wie auch die gefühlvolle, emotional durchlässige Seite vom Mann-Sein.
Partnerschaftliche Sexualität kann (wieder) sowohl sexuell erregend erlebt werden als auch als eine die Beziehung vertiefende und die Selbstsicherheit verstärkende Kraft.
Wenn Sex zum Kampf ums Überleben der Männlichkeit wird. »Der Verlust der Fähigkeit des ›Sich-Aufrichtens‹ bedroht den Mann an einer sehr verwundbaren Stelle. Denn »das Aufrichten des Penis und das Sich-Aufrichten in der eigenen Männlichkeit bleiben im Leben eines Mannes lange verbunden. Somit betrifft die erektile Dysfunktion immer beide Ebenen.« (Dr. med. Peter Gehrig)
Begleitet von der Angst, zu versagen, werden laufend verzweifeltere Rettungsversuche der Potenz unternommen. Manche Männer greifen dabei zu Methoden, die an Selbstverletzung grenzen. Zunehmend extremere Rituale werden entwickelt. Ein Teufelskreis entsteht, der immer tiefer in die eigene Entfremdung führt.
Heilung beginnt, wo der Krieg mit sich selbst aufhören darf. Dies ist der erste Schritt zurück zu sich selbst.
Gut zu wissen: Ein verspannter Beckenboden kann zu verminderter sexueller Empfindungsfähigkeit führen, bis hin zu einer eingeschränkten Orgasmusfähigkeit. Auch Erektionsprobleme können die Folge davon sein.
Denn eine hohe Spannung der Beckenmuskulatur unterdrückt die arterielle Durchblutung mit der Folge, dass die Blutfülle auf das äußere Geschlecht beschränkt ist. Das Lusterleben wird zu einem lokalen, reduzierten Phänomen.
Die Erregung ist lediglich auf den Penis reduziert, was oft nur einen sehr eingeschränkten Stimulationsmodus zulässt. Ein kleiner »Stimulationsfehler« und schon kommt es zum Erektionsverlust.
Auch kann bei einem starken Muskeltonus im Becken ein hoher Erregungslevel nicht gehalten werden, sodass es zu frühzeitigen Orgasmen kommen kann.
Wenn es immer härteres Reiben, Pressen und andere körperliche Techniken oder auch emotionale Stimuli und Fantasien braucht, um die sexuelle Erregung herzustellen bzw. zu halten, dann liegt dahinter eine herabsetzte Oberflächensensibilität, d.h: Die Fähigkeit der sinnlichen, genussvollen Wahrnehmung des Penis ist reduziert.
Oft wird die Vagina als zu wenig stimulierend erlebt, sodass Lust nur noch mit Anstrengung und/oder zusätzlicher Stimuli hergestellt werden kann.
Die eingeschränkte Wahrnehmungsfähigkeit kann so weit gehen, dass Lust und Befriedigung kaum bis gar nicht mehr erlebt werden können. Der Penis fühlt sich (fast) taub an.
Übungen, die zwischen den Sitzungen selbständig ausgeführt werden, sollen dabei helfen, in die ursprüngliche Sensibilität zurückzufinden und die dysfunktionalen Stimmulationsmuster loszulassen.
Symptome des Death-Grip-Syndroms:
»Death Grip« meint eine übermäßig feste (teilweise aggressive) manuelle Stimulation des Penis während der Masturbation. Die Herabsetzung der Empfindsamkeit des Penis steht oft im Zusammenhang mit einem exzessiven und langfristigen Konsum von Pornografie.
Lost Penis Syndrom (kurz: LPS) bezieht sich auf einen Zustand, bei dem Männer ihren Penis als verloren wahrnehmen, wenn er sich in der Vagina befindet.
Wichtig! Das Lost-Penis-Syndrom hat nichts mit der Größe des Penis zu tun, d.h: Nicht nur Männer mit kleinem Penis sind betroffen. Vielmehr steckt dahinter eine fehlende Wahrnehmung des eigenen Penis.
Das Gute ist, dass man die Wahrnehmung schulen kann. Oft geht es dabei auch um eine Korrektur der Überzeugung, der Penis sei zu klein und/oder unzureichend. Nicht die Größe macht einen guten Liebhaber aus, sondern die Präsenz des Mannes und wie präsent er in seinem Penis ist.
Hypersexualität kann sich in verschiedenen Formen äußern, wie:
Wichtig! Eine hohe sexuelle Aktivität deutet nicht automatisch auf eine Sucht hin. Hier gilt es zu untersuchen, was hinter dem großen Drang nach sexueller Stimulation liegt.
Egal, um welche Form der Hypersexualität es sich handelt, der zugrunde liegende Mechanismus ist derselbe: eine fehlgeleitete Strategie zur Bewältigung innerer Spannungen. Demnach ist Hypersexualität nicht einfach das Ergebnis von mangelnder Selbstbeherrschung sondern geht auf mangelnde Selbstregulation zurück. Mit Hilfe sexueller Stimulation wird versucht, sich emotional zu stabilisieren und eine innere Leere zu füllen.
Die entscheidende Frage ist nicht: »Wie kann ich aufhören?« sondern: »Was gibt es mir?« Genau darin liegt die Heilung: nicht im Kontrollieren, sondern im Verstehen. Nicht in der Selbstverurteilung sondern im Anerkennen, dass etwas dahinter wirkt, das gesehen werden muss.
Nicht erhöhte Sensibilität am Penis ist die Ursache für den vorzeitigen Samenerguss, wie viele glauben, sondern die Unfähigkeit, sich in die Erregung hinein zu entspannen.
Dazu ist es gut zu wissen:
Hohe Spannung der Bauch- und Beckenmuskulatur schränkt die Beweglichkeit des Zwerchfells ein. Die Atmung wird flach und rasch. Hat bei der Erregung erst mal diese Atmung eingesetzt, so wird der Kampf-Flucht-Erstarren Ast des vegetativen Nervensystems aktiviert. Der Körper kommt in Sauerstoffmangel und damit in eine regelrechte Notsituation. Dass es zu rascher Entladung kommt, ist leicht verständlich.
In diesem Sinne kann ein vorzeitiger Orgasmus als Flucht-Impuls verstanden werden. Die eigene sexuelle Erregung wird nicht ausgehalten bzw. ein hoher Erregungslevel kann nicht gehalten werden. Körper und Gehirn versuchen, den sexuellen Akt schnell zu beenden.
dann ist die Lust längst zum Kampf geworden. Auch hier steht – wie beim vorzeitigen Samenerguss – ein Übermaß an Kontrolle dahinter.
Damit die Fähigkeit zur Hingabe wieder möglich wird, ist es hilfreich, herauszufinden, welche Gefühle mittels Muskel-Anspannung vermieden werden. Oft verbirgt sich hinter der Anspannung gefrorene Angst – Angst, sich fallen zu lassen, Angst, verletzbar zu werden usw.
Mit der Selbsterforschung wächst die Verbindung mit sich selbst. Innere Sicherheit entsteht, ein Verankert-Sein im eigenen Körper. Sicher gehalten in sich selbst, kann sich die Angst vor Kontrollverlust auflösen.
Die Intensität des Orgasmus beruht auf der Fähigkeit der Beckenmuskulatur zur orgastischen Zuckung, d.h. sich zusammenzuziehen und wieder loszulassen. Ist die Beckenmuskulatur chronisch angespannt, dann kommt diese Dynamik nicht in Gang. Der Orgasmus findet lediglich in den Genitalien statt, nicht im Becken, geschweige denn im ganzen Körper.
Männer mit diesem Erregungsmodus beschreiben ihre Orgasmen oft als »ganz nett«, »kurz«, »wie ein gutes Niesen«, und genießen vor allem die nachfolgende Entspannung.
Andere erleben nachfolgend eine innere Leere. Etwas ist unerfüllt geblieben: »Das kann doch nicht alles gewesen sein!«, so das Gefühl.
Allen drei Formen der Orgasmus-Störungen ist gemeinsam: Mittels Muskelanspannung im Becken-, Bauch- und Zwerchfellbereich wird das lustvolle Geschehen festgehalten oder zumindest stark eingeschränkt.
Bei so manchem Mann kommt es regelrecht zum kastrierenden Abklemmen der Energie im Beckenbereich, was mangelnde innere Sicherheit zur Folge hat. Es fehlt das Verankert-Sein in den unteren Kraftzentren.
Damit die Lust wieder frei strömen kann, arbeiten wir auf Körperebene daran, die muskulären Verspannungen nach und nach aufzulösen. Ein Gefühl von innerer Standfestigkeit entsteht, je mehr der Mann .
Emotionale Erschöpfung, resultierend aus verinnerlichten Erwartungen an die männliche Leistungsfähigkeit, und innerer Stress spielen nicht selten eine bedeutende Rolle bei sexueller Unlust. Dazu kommen oft noch Schuldgefühle, die Erwartungen der Partnerin nicht erfüllen zu können, was wiederum den emotionalen Stress verstärkt.
»Raus aus der Leistungsfalle!« lautet die Devise – hin zu einer Erfahrung, bei der das sinnliche Erleben und die emotionale Verbundenheit zum Partner im Vordergrund stehen.
Außerdem geht es um das Nachgehen der Frage: Was hat zum inneren Rückzug des sexuellen Wollens geführt? Was wirkt?
Hierbei ist auch ein Blick auf die Paardynamik sowie auf die psychosexuelle Entwicklung wichtig.
Ein überempfindlicher Penis zeigt sich in Schmerzen oder Beschwerden durch Berühren oder bei sexuellen Aktivitäten.
Diese Symptome können auch erst ab einem bestimmten Erregungslevel auftauchen.
Auch hier kann eine chronisch angespannte Muskulatur im Beckenbereich die Ursache dafür sein. Tatsächlich befindet sich das Nervensystem in einem Zustand vegetativer Dysregulation, d.h: Der Körper findet nicht mehr in einen entspannten Zustand zurück, was sich unter Anderem in einem hohen Muskeltonus widerspiegelt.
Echte Potenz kommt aus dem Herzen und zeigt sich in der Präsenz für das Gegenüber. Wird männliche Potenz mit Härte und Stehvermögen gleichgesetzt, wird Sex zur Erfüllung eines Leistungssolls.
Ein phallischer Mann erweckt mit seinem eigenen Feuer die Frau. Er kommt nicht als Bettler zu ihr, sondern begegnet der Frau aus seiner Fülle heraus.
Genau dort geht der Weg hin. Ziel ist die Wiederverbindung mit der phallischen Kraft und die Aktivierung positiver Qualitäten kraftvoller Männlichkeit.
»Zunächst ist der männliche Penis weich und hart zugleich. (…) Beides hat seinen angemessenen Platz im Leben: Verletzlichkeit und Stärke, Loslassen und Festigkeit.
Die Weisheit besteht darin, zu wissen, wann, wo und wie. Der Penis ist keine Waffe und kein bloßes Werkzeug, sondern ein Medium, um Kontakt herzustellen.« (Richard Rohr)
KörperBewusstwerdung und Veränderung der Festhalte-Muster muskulärer Anspannung in Verbindung mit dem Atem |
GeistUmgestaltung dysfunktionaler Gedanken, Veränderung falscher Programmierungen, Loslassen des Leistungsdrucks |
FÜHLEN
Entwicklung von Selbstmitgefühl: |
Die psychischen Gründe für sexuelle Störungen sind vielfältig. Meist geht diesen eine lange Geschichte voraus, die oft durchzogen ist von Erfahrungen der Ablehnung männlichen Begehrens und /oder Abwertung und Missachtung der phallischen Kraft.
So mancher Mann fühlt sich wie abgeschnitten von der Wahrnehmung seines Penis, während er seine sexuelle Befriedigung aus der Reaktion der Partnerin bezieht. Ein Teufelskreis, da dabei das Gespür für sich selbst zunehmend weiter verloren geht.
Sexualtherapie versucht, den Ursprung zu finden, wo ein entspanntes Sexualverhalten nicht mehr möglich war und die Verbindung zum Penis als sensibles, feinfühliges Organ verloren ging. An dieser Stelle setzen wir an mit dem Ziel der Rückkehr zu einer natürlichen, entspannten und genussvollen Sexualität.
Praktische und beziehungsbezogene Komponenten werden für die Zeit zwischen den Sitzungen mitgegeben. Diese bestehen aus geführte Übungen zur Intimität sowie sexuelle Aktivitäten zur Wiederherstellung eines ungezwungenen und zugewandten Umgangs mit sich selbst.
Texte mit Fragen zum Nachgehen dienen der Selbstreflexion und dem Loslassen behindernder Denkmuster.